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Geschichte

Die Geschichte des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie

Zwei Traditionen finden zusammen

Das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie ist aus dem Zusammenschluss zweier traditionsreicher Seminare der Universität Bonn entstanden. Das Seminar für Politische Wissenschaft und das Seminar für Soziologie blicken auf eine lange Geschichte zurück, die erst in jüngster Zeit zu einer gemeinsamen Geschichte geworden ist. Die beiden ehemals eigenständigen Seminare sind in den Fachbereichen "Politische Wissenschaft" und "Soziologie" des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie aufgegangen.

Chronologischer Überblick über die Geschichte des Seminars für Politische Wissenschaft

Vorgeschichte
In Bonn war Christoph Dahlmann (1785-1860) als namhafter Gelehrter auf Gebieten tätig, die der Politischen Wissenschaft zuzurechnen sind. Jedoch sollte es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dauern, ehe die Politikwissenschaft als eine selbständige Wissenschaft wiederbelebt werden konnte. Auch während der kurzen Epoche der Weimarer Republik war ein entscheidender Durchbruch in diese Richtung nicht gelungen, obwohl es durchaus vielversprechende Ansätze wie die Gründung der Hochschule für Politik in Berlin gegeben hatte. So konstituierte sich die Politische Wissenschaft an den deutschen Universitäten erst nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die Politikwissenschaft wurde in Deutschland fortan mit einer betont politisch-pädagogischen Zielsetzung vor allem als "Demokratiewissenschaft" betrieben.


Herbst 1958
Dr. Karl Dietrich Bracher, apl. Professor für Wissenschaft von der Politik und Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin, erhält den Ruf auf den neuerrichteten Lehrstuhl für die Wissenschaft von der Politik an der Universität Bonn.


1. Januar 1959
Professor Bracher übernimmt den Lehrstuhl.


19. Januar 1959
Das Seminar für Politische Wissenschaft nimmt im Hause `Am Hofgarten 15` in dreieinhalb Diensträumen mit Professor Bracher, Hans-Helmuth Knütter (als Assistent vorgesehen) und ab 1. April der Sekretärin Frau Beyer seine Arbeit auf. Der Etat für die ersten drei Monate beträgt 10.000 DM. Das Gebäude `Am Hofgarten 15` wird größtenteils von Privatpersonen bewohnt.


20. April 1959
Beginn des Lehrbetriebs mit einer Vorlesung ("Das totalitäre Herrschaftssystem des Nationalsozialismus") und einem Seminar ("Weimar und Bonn. Ein Vergleich").


Frühjahr 1960
Nach Umbau und Renovierung verbesserte Räumlichkeiten für das Seminar. Der im Erdgeschoß des Hauses wohnende Mieter kann zum Auszug bewogen und der Bibliotheksraum um ein Zimmer erweitert werden.


Juni 1960
Professor Dr. Hans Kohn, New York, hält einen Gastvortrag. Professor Bracher wird Leiter der Nachrichtenstelle (Pressestelle) der Universität. Bis 1969 bleibt die Nachrichtenstelle im Hause `Am Hofgarten 15`.


Wintersemester 1960/61
Spende der Rockefeller-Foundation (New York) von 5.200 Dollar (= 20.800 DM) zur Anschaffung ausländischer Literatur.


Oktober 1962
Auszug des letzten Privatmieters aus dem Haus `Am Hofgarten 15`. Professor Bracher lehnt einen Ruf an die Freie Universität Berlin ab, hält Gastvorträge in Basel, Göteborg, Stockholm und Oslo.

Veröffentlichung der Dissertation von Ulrich Dübber: Parteifinanzierung in Deutschland. Eine Untersuchung über das Problem der Rechenschaftslegung in einem künftigen Parteiengesetz, Köln, Opladen 1962, in der von Professor Dr. Bracher mitherausgegebenen Reihe "Staat und Politik", Band 1.


1963
Die Zahl der Mitarbeiter vergrößert sich, Sachbearbeiter für die Bibliothek und das Archiv werden eingestellt. Vor allem die Bibliothek kann ihre Bestände dank Spenden verschiedener Stellen für Bücher und Zeitschriften vergrößern.


Sommer 1963
Professor Carsten, London, und Professor Elliot, New York, halten am Seminar Gastvorträge.

Die zweite Etage des Hauses wird zur Zeitschriftenbibliothek und zum Archiv ausgebaut.

Von August 1963 bis April 1964 hält sich Professor Bracher im Center for Advanced Study in Stanford/Cal. USA auf. Professor Dr. Klemens von Klemperer, USA, übernimmt die Lehrstuhlvertretung von Professor Bracher.

In der Schriftenreihe "Staat und Politik" (Mitherausgeber Prof. Dr. Bracher) erscheint als Band 4 die Dissertation von Rolf Eilers: Die Nationalsozialistische Schulpolitik. Eine Studie zur Funktion der Erziehung im totalitären Staat. Köln, Opladen 1963.


Sommersemester 1964

Dr. Hans-Adolf Jacobsen, bisheriger Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, wird Lehrbeauftragter am Seminar für Politische Wissenschaft und Habilitationsstipendiat.

Gastvorträge unter anderem von Professor Löwenthal (Berlin), Professor Deutsch (Yale, USA), Professor Westerthal (Göteborg), Professor Heimann (Hamburg) und Professor Valiani (Mailand).


August 1965
Professor Bracher erhält einen Ruf an die Universität Gießen, er lehnt ab.


November 1965
Professor Bracher erhält einen Ruf an die Universität Hamburg, er lehnt ab.


Wintersemester 1965/66
Professor Bracher wird Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (1965 bis 1967).

Legationsrat Dr. Ungerer (Auswärtiges Amt) wird Lehrbeauftragter am Seminar für Politische Wissenschaft.

Am Seminar werden unter anderem von Professor Grosser (Paris), Professor Claude, Professor Hamburger und Dr. Jedlicka (Wien) Gastvorträge gehalten.


26. Februar 1966
Im Gebäude des Seminars findet eine Hochschullehrertagung der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft statt.


26. November 1966
Dr. Jacobsen hält seine Antrittsvorlesung zum Abschluß seiner Habilitation.


Mai 1968
"Streik" am Seminar gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze.


Wintersemester 1968/69
Im studentischen Bereich entsteht als studentische Gegenaktion gegen linke Aktivitäten die "Aktion demokratische Mitte".


Januar 1969
Die Satzung des "Seminarrates am Seminar für Politische Wissenschaft" tritt in Kraft. Der Seminarrat soll ein Modell für eine umfassende Hochschulreform sein.


1. April 1969
Das Seminar für Politische Wissenschaft erhält ein zweites Ordinariat. Die Errichtung eines zweiten Lehrstuhls war Prof. Bracher zugestanden worden, nachdem er den ehrenvollen Ruf auf einen Lehrstuhl an der Harvard University (USA) abgelehnt hatte. Auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Politische Wissenschaft wird der bisherige Privatdozent Dr. Hans-Adolf Jacobsen berufen. Er wird im gleichen Jahre Mitglied des Beirates für Innere Führung beim Bundesverteidigungsministerium.


Sommersemester 1969
Zahlreiche studentische Aktivitäten gegen den Hochschulgesetzentwurf der Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen.


9. bis 20. Juni 1969
"Streik" an der Universität Bonn gegen die Hochschulgesetzgebung. Es kommt zur Behinderung des Lehrbetriebs am Seminar.


Juni 1969
Der Seminarrat identifiziert sich mit dem im Streik zum Ausdruck gelangenden Ziel, auf eine Revision des Hochschulgesetzentwurfes hinzuarbeiten.

Der als Mitbestimmungsmodell gedachte Seminarrat erweist sich als Instrument der Konfliktverschärfung. Er versucht, den Seminardirektoren zum Teil mit Erfolg (Lehrauftrag Dr. Heß), zum Teil ohne Erfolg (Anstellung von Dr. Manfred Funke als Wissenschaftlicher Assistent) die Entscheidungsbefugnis in Personalangelegenheiten zu nehmen.

Seit dem Sommersemester 1968 gibt es zunehmende Aktivitäten der Fachschaft, die seit Mai 1968 von linken Gruppen (Sozialistischer Deutscher Studentenbund u.a.) beherrscht wird. Über den Seminarrat kommt es zu starken Spannungen innerhalb des Seminars, die im Sommersemester 1969 ihren Höhepunkt erleben.


Wintersemester 1969/70
Infolge der Uneinigkeit unter den linken Gruppen scheitert der "Seminarrat", dessen Satzung im Januar 1970 nicht verlängert wird.


6. Oktober 1969
Eine "Vorläufige Seminarordnung" wird verkündet.


28. November 1969
Auf der Seminarratssitzung berichtet Dr. Funke über eine geplante Schriftenreihe. Der erste Band der "Bonner Schriften zur Politik und Zeitgeschichte" erscheint 1970 im Droste-Verlag Düsseldorf.


8. Januar 1970
Urabstimmung der studentischen Mitarbeiter für einen "Streik" gegen die Anstellung von Dr. Manfred Funke. Mit 23 zu 9 Stimmen wird für einen einwöchigen "Warnstreik" entschieden.


15. Februar 1971
Habilitation von Dr. Knütter, der im Sommersemester 1971 Professor Brachers Lehrstuhl vertritt. Die "Sozialistische Gruppe" veröffentlicht mehrere "Knütter-Reporte" gegen ihn.


Wintersemester 1971/72
Grundkurse werden eingeführt, zum Wintersemester 1973/74 werden sie wieder abgeschafft. Als Voraussetzung für die Beendigung des Grundstudiums gelten von da an drei Proseminare.


Wintersemester 1972/73
Die Anzahl der Studienanfänger in Politischer Wissenschaft beträgt 153, in Sozialwissenschaften 118. Insgesamt gab es also 271 Studienanfänger.


26. bis 28. April 1973
Das Seminar veranstaltet ein KSZE-Symposion. Zahlreiche Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Presse, Funk, Fernsehen, politischen Parteien, Wissenschaft, Erziehungs- und Bildungswesen nehmen teil.


5. Juni 1973
Auf der Kollegialbesprechung wird bekanntgegeben, daß dem Seminar im Jahre 1973 DM 29.800 zur Verfügung stehen.


Sommersemester 1973
Professor Johann Galtung, Oslo, übernimmt die "Carl-von-Ossietzky-Gastprofessur für Friedens- und Konfliktforschung" im Sommersemester 1973.


Wintersemester 1974/75
Dr. Christian Hacke wird Lehrbeauftragter am Seminar für Politische Wissenschaft. Der Titel seiner ersten Lehrveranstaltung lautet: "Proseminar zum Bereich der internationalen Politik: Außenpolitik und parlamentarische Opposition".

Wegen der zunehmenden Studentenzahlen wird erwogen, eine Zulassungsbeschränkung für Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften zu beantragen.


1975
Ein Sparerlaß der Landesregierung bringt erste finanzielle Restriktionen. Der Sachetat darf bis zum 30. September 1975 zu 75% ausgegeben werden. Die weiteren Mittel unterliegen einer vorläufigen Sperre.


27. Januar 1975
Gastvortrag von Professor John Mackintosh: "Is Western Democracy in Danger?"


Sommersemester 1975
Sechs besoldete Lehraufträge stehen zur Verfügung. Die anderen Lehraufträge sind unbesoldet.


24. April 1975
Gastvortrag von Professor Karl Deutsch (USA).


10. Juni 1975
Gastvortrag von Professor Burkett: "British People and the EEC-Referendum".


30. Juni 1975
Gastvortrag von R. Tanter: "Models, Simulation and Games".


Wintersemester 1975/76
Eine Zulassungsbeschränkung für das Fach Politikwissenschaft im Hauptfach und für das Lehramtsfach Sozialwissenschaften wird eingeführt.

Die Aufnahmekapazität für das Studienjahr 1975/76 beträgt 178 Studierende, davon 116 im Wintersemester 1975/76 und 62 im Sommersemester 1976.

Wegen der zunehmenden Raumnot werden dem Seminar Räume in der Adenauerallee 98c zugewiesen.


März 1976
Eine Studienordnung für das Fach Politische Wissenschaft wird veröffentlicht.


13. Mai 1976
Gastvortrag von Professor Constantini: "Presidential Selection".


25. Mai 1976
Colloquium unter Beteiligung von Professoren und Studenten der Universität Groningen: Faschismuskontroversen.


15. Juni 1976
Das Kollegium beschließt die Einführung von Sprachtests in Englisch und Französisch.


22. Juni 1976
Gastvortrag von Professor Philipp P. Hopman: "Some Implications of East-West-Negotiations in Europe for the Cohasion of NATO and the Warsaw Pact".


5. Juli 1976
Gastvortrag von Professor Bloch (Paris): "Die französische Linke nach De Gaulle".


Mai / Juni 1977
Spende des stellvertretenden Kulturattachés der US-Botschaft: 50 Bücher, darunter eine dreißigbändige Ausgabe der Encyclopaedia Britannica.


1. Juli 1977
Gösta Thiemer wird (als Wissenschaftliche Hilfskraft) Geschäftsführer des Seminars. Damit ist erstmals ein Mitarbeiter, der nicht gleichzeitig Wissenschaftlicher Assistent oder Akademischer Rat ist, ausschließlich als Geschäftsführer tätig.


10. bis 22. September 1977
Colloquium des Seminars in der UdSSR. Unter Leitung von Professor Jacobsen halten sich Studenten in Leningrad und Moskau auf.


Dezember 1977
Wegen der Beratungen über das neue Landeshochschulgesetz (WissHG), das am 1. Januar 1980 in Kraft tritt, kommt es zu "Streiks" an der Universität Bonn, in deren Verlauf mehrere Veranstaltungen des Seminars gestört und abgebrochen werden.


Juli 1978
Das Gebäude `Am Hofgarten 15` wird renoviert, die Holztreppe wird durch eine Stahl-Betontreppe ersetzt. Im gleichen Jahr gelingt es, die Raumnot durch die Anmietung der Nebengebäude `Am Hofgarten 16/17` zu lindern.


1980
Der Jahresetat des Seminars beträgt 41.900 DM.


Mai 1980
Dr. Christian Hacke wird im Fach Politische Wissenschaft von der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der Arbeit "Die Ära Nixon-Kissinger 1969 - 1974. Konservative Reform der Weltpolitik" habilitiert.


5. Dezember 1980
Gastvortrag Professor Batowski (Warschau): Zehn Jahre Warschauer Vertrag.


Wintersemester 1980/81
Professor Edinger vertritt Professor Bracher und arbeitet an einer vergleichenden Untersuchung über Politik für alte Menschen in Großbritannien, den USA, Japan und in der Bundesrepublik.


1981
Professor Jacobsen wird Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung.


30. April 1981
Nach dreijähriger Tätigkeit scheidet Gösta Thiemer als Geschäftsführer des Seminars aus. Mit Dr. Tyrell muß zu der alten Regelung zurückgekehrt werden, daß ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter nebenbei die Geschäftsführung übernimmt.


Sommersemester 1981
Eine Kommission, an der neben Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern auch Vertreter des Seminars für Politische Wissenschaft beteiligt sind, erarbeitet eine Studienordnung für den Studiengang Sozialwissenschaften für die Sekundarstufe I. Kurz nachdem die Studienordnung veröffentlicht ist, entschließt sich die Landesregierung, den Studiengang für die Sekundarstufe I an der Universität Bonn einzustellen.


Februar bis März 1983
Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft wird als Konkurrenz zur Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft gegründet. Dem Vorstand der neuen Gesellschaft gehört unter anderem Professor Bracher an.


9. Mai 1983
Podiumsgespräch Professor Hillgruber (Köln), Professor Weinberg (USA) und Professor Daschitschew (UdSSR) unter Leitung von Professor Jacobsen: Internationale Bilanz des Zweiten Weltkrieges.


Sommersemester 1983
Professor Weinberg (North Carolina, USA) ist Gastprofessor am Seminar.


Wintersemester 1983/84
Ein Orts-NC für Politikwissenschaft wird eingeführt, im Wintersemester und im Sommersemester werden je 217 Studienanfänger zugelassen, und zwar im Hauptfach Politikwissenschaft 34, im Nebenfach Politikwissenschaft 160, im Lehramtsfach Sozialwissenschaften 23.

Der Lehrkörper ist auf 26 Personen angewachsen, die insgesamt 46 Lehrveranstaltungen abhalten. Darüber hinaus verfügt das Seminar über eine Bibliothekarin sowie vier Halbtagssekretärinnen und 23 studentische Mitarbeiter.


Januar 1984
Das Seminar für Politische Wissenschaft besteht 25 Jahre. Anläßlich dieses Ereignisses erscheinen zahlreiche Publikationen, die sich mit dem Selbstverständnis der Politikwissenschaft und dem Studium des Faches befassen.


Sommersemester 1985
Ab Mai 1985 wird ein Praktikumsbüro im Seminar eingerichtet, das den Studierenden durch die Vermittlung von Praktikantenstellen einen Berufsbezug bieten soll. Das Praktikum soll bei dem in der Diskussion befindlichen Diplomstudiengang obligatorisch werden, vorerst bleibt es fakultativ. Das Büro ist mit einer halben studentischen Hilfskraftstelle besetzt.


8. Mai 1985
Diskussion internationaler Forscher über Aspekte der Kriegsforschung und der Bedeutung des Kriegsendes vor 40 Jahren unter der Leitung von Professor Jacobsen.


Wintersemester 1985/86
Im Studienjahr 1985/86 werden dem Seminar 119 Studienplätze im Hauptfach zugewiesen. Die Zulassungsbeschränkung für Nebenfachstudierende wird aufgehoben.


Februar 1986
Professor Jacobsen, Professor Knütter und Professor Schwarz (zu jener Zeit noch in Köln tätig) werden Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für Politische Bildung.


Sommersemester 1986
Eine aus studentischer Initiative entstandene "Arbeitsgemeinschaft für Internationale Sicherheit und Politik e.V.", die mit Dr. Pfeiler eng zusammenarbeitet und am 17. Februar 1986 gegründet wurde, wird offiziell vorgestellt.


31. März 1987
Professor Bracher wird emeritiert. Sein Nachfolger wird Professor Hans-Peter Schwarz, bisher Universität zu Köln. Der Lehrkörper des Seminars umfaßt inzwischen 32 Personen, die 65 Lehrveranstaltungen für fast 2500 Studenten anbieten.


2. bis 15. September 1987
Eine Gruppe von zwanzig Studenten der jüdischen Organisation Hillel (Stanford, USA) hält sich am Seminar auf. Professor Jacobsen übernimmt die Betreuung.


Wintersemester 1987/88
Es wird nunmehr zwischen Mitarbeiterbesprechungen und Kollegialsitzungen unterschieden. An der Kollegialsitzung nehmen zusätzlich zu den hauptamtlichen Mitarbeitern Honorarprofessoren und Lehrbeauftragte sowie Fachschaftsvertreter teil.

Ein Pflichtprogramm für einen Zwei-Jahres-Lehrkanon wird vorgesehen, das sowohl verbindlich bestimmte Vorlesungen und Seminare enthalten soll als auch die von den Studenten zu absolvierenden Themenbereiche festlegt.


23. November 1987
Das NRW-Hochschulgesetz (WissHG) tritt an den Universitäten Köln und Bonn als unmittelbar geltende Universitätsverfassung in Kraft, da die beiden Universitäten es unterlassen hatten, ihre Verfassungen den Bestimmungen des seit 1980 geltenden Gesetzes anzupassen.

Der §29 in Verbindung mit §129 sieht vor, daß die Leitung wissenschaftlicher Einrichtungen von einem kollegialen Vorstand übernommen wird. Die Anwendung dieser Bestimmung wird sowohl in der Universität als auch von Seiten des Wissenschaftsministeriums verzögert und führt im Jahre 1988 zu gerichtlichen Auseinandersetzungen.


Sommersemester 1988
Professor Edinger (Columbia University, New York) übernimmt eine Gastprofessur.


Mai bis Oktober 1988
Das Seminargebäude wird gründlich renoviert. Im Keller, an den Außenmauern und im Dachgeschoß waren zahlreiche Feuchtigkeitsschäden aufgetreten. Das Gebäude `Am Hofgarten 16/17` muß aufgegeben werden, ein Übungsraum (der sogenannte Tutorienraum) fällt ersatzlos fort. Im Hause `Lennéstraße 25/27` werden repräsentative Räumlichkeiten für die Professoren Jacobsen und Schwarz sowie mehrere Wissenschaftliche Mitarbeiter gemietet.

Mit Beginn des Sommersemesters 1988 wird Dr. Rothkegel Geschäftsführer des Seminars, womit nach mehreren Jahren wieder eine Dauerlösung gefunden wurde. Der Umzug aus dem Hause `Am Hofgarten 15` in das Haus `Lennéstraße 25/27` erfolgt im September 1988.


Wintersemester 1988/89
Eine neue Magister-Studienordnung tritt in Kraft. Sprachklausuren in Englisch und einer weiteren neuen Fremdsprache sowie ein obligatorischer Vorlesungsschein im Grundstudium erweitern den Kanon der Leistungsanforderungen.

Der Etat im Jahre 1988 beträgt DM 38 500.


April 1989
Die Sprachklausuren in Englisch und Französisch finden erstmals statt.


November 1990
Dr. Uwe Holtz, langjähriger Vorsitzender des entwicklungspolitischen Ausschusses des Deutschen Bundestages, wird zum Honorarprofessor berufen (Dezember 1987 bereits Hon.-Prof. der Pädagogischen Fakultät).


1991
Professor Dr. Hans-Adolf Jacobsen wird emeritiert. Sein Nachfolger wird im Oktober 1991 Professor Dr. Karl Kaiser.


Oktober 1997
Prof. Dr. Ludger Kühnhardt (bisher Universität Freiburg) wird zum Direktor an das Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) der Universität Bonn und zugleich in die Philosophische Fakultät und dort in den Vorstand des Seminars für Politische Wissenschaft berufen.


Juli 1999
Prof. Dr. Hans-Peter Schwarz wird emeritiert. Sein Nachfolger wird im April 2000 Prof. Dr. Christian Hacke.


April 2000
Prof. Dr. Karl Kaiser wird emeritiert.

Prof. Dr. Christian Hacke wird Geschäftsführender Direktor des Seminars für Politische Wissenschaft.


15. März 2001
Vortrag von Prof. Dr. Christian Hacke im Haus der Geschichte in Bonn zum Thema "50 Jahre Auswärtiges Amt".


12. Juli 2001
Professor Dr. Tilman Mayer M.A. wird auf die vakante C3-Professur des Hauses (Nachfolge Prof. Dr. Dietmar Herz) berufen.

Die erste "Feierliche Verabschiedung der Magistranden und Doktoranden im Sommersemester 2001 mit anschließendem Sommerfest" findet statt. Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft wird den Magistranden und Doktoranden der Politischen Wissenschaft im Haupt- oder Nebenfach vom Geschäftsführenden Direktor des Seminars Professor Dr. Christian Hacke eine Urkunde zum erfolgreichen Abschluß des Magisterstudienganges bzw. der Promotion überreicht. Der anschließende sommerliche Ausklang der Veranstaltung währte bis in die späten Abendstunden.


12. November 2001
PD Dr. Frank Decker, Nachfolger von Prof. Dr. Karl Kaiser, wird zum Universitätsprofessor ernannt.


01. März 2002
Prof. Dr. Christian Hacke übergibt das Amt des Geschäftsführenden Direktors an Prof. Dr. Frank Decker.
Die Geschäftsführung wechselt von AR Dr. Volker Kronenberg zu Stefan Finger, G.K.d.Ph.


08. Mai 2002
Das Seminar für Politische Wissenschaft ehrt im Rahmen einer Feierlichen Würdigung Prof. Dr. Dr. hc. mult. Karl Dietrich Bracher, den Begründer des Seminars. Nach der Eröffnung durch Prof. Dr. Frank Decker folgte ein Grußwort von Professor Dr. Klaus Borchard, dem Rektor der Universität, eine Grußadresse von Professor Dr. Dr. h.c. Horst Möller, dem Direktor des Institutes für Zeitgeschichte in München, sowie Vorträge von Professor Dr. Hans-Peter Schwarz, "Politikwissenschaft als Demokratiewissenschaft - Werk und Wirkung von Karl Dietrich Bracher", und Professor Dr. h.c. Joachim C. Fest: "Denker im Dienste von Frieden und Freiheit - Eine persönliche Würdigung von Karl Dietrich Bracher". An die zahlreich besuchte Veranstaltung im Festsaal der Universität schloß sich ein Empfang im angrenzenden Senatssaal an.


11. Juli 2002
Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft in der Lennéstraße 27 werden zum zweiten Mal die Absolventen des Seminars feierlich verabschiedet. Nach Ansprachen des Geschäftsführenden Direktors, Prof. Dr. Frank Decker, des Alumni-Beauftragten des Rektors, Prof. Dr. Lothar Hönnighausen, sowie einem Beitrag der Fachschaften Politische Wissenschaft und Sozialwissenschaften überreichte Prof. Decker den Absolventen des Seminars eine Urkunde zum erfolgreichen Abschluß ihrer Studiengänge. Vier ausgewählte Absolventen erhielten aufgrund ihrer herausragenden Leistungen zusätzlich Geschenke. Die zahlreichen Gäste des Sommerfestes vergnügten sich bis in die späten Abendstunden bei Grillwürstchen, Steaks, Getränken und Musik.


15. März 2004
Während Prof. Dr. Frank Decker weiterhin Geschäftsführender Direktor des Seminars für Politische Wissenschaft bleibt, geht die Geschäftsführung von Herrn Stefan Finger auf Herrn AR Dr. Volker Kronenberg über. Im Gegenzug übernimmt Herr Finger die Vertretung der Akademischen Räte und Wissenschaftlichen Mitarbeiter ("Mittelbau") im Institutsvorstand des Seminars.


31. März 2004
Nach langjähriger Tätigkeit am Seminar für Politische Wissenschaft tritt Professor Dr. Manfred Funke in den Ruhestand.


13. Mai 2004
Anlässlich des 70. Geburtstages von Professor Dr. Hans-Peter Schwarz veranstaltet das Seminar für Politische Wissenschaft im Universitäts-Club e.V. ein Symposium mit zahlreichen geladenen Gästen. Die einzelnen Vorträge werden in der Reihe "Bonner Akademische Schriften" veröffentlicht.


19. Mai 2004
Der Geschäftsführer des Seminars für Politische Wissenschaft, Dr. Volker Kronenberg, beendet sein Habilitationsverfahren mit Erfolg und lehrt fortan als Privatdozent.


22. Juli 2004
Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft in der Lennéstraße 27 werden zum vierten Mal die Absolventen des auslaufenden Studienjahres im Rahmen eines Sommerfestes und im Beisein zahlreicher Gäste feierlich verabschiedet.


Januar/Februar 2005
In Vorbereitung der geplanten Fusion mit dem Seminar für Politische Wissenschaft erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars für Soziologie im zweiten Obergeschoß der Lennéstraße 25 und im dritten Obergeschoß der Lennéstraße 27 die dort vorhandenen Räumlichkeiten. In der Seminarbibliothek Am Hofgarten 15 werden die Bestände der ehemaligen soziologischen Bibliothek mit den politikwissenschaftlichen Beständen unter einem Dach zusammengeführt.


1. April 2005
Priv.-Doz. Dr. Wolfram Hilz von der TU Chemnitz tritt sein Amt an. Die Studiendirektorenstelle (i.H.) von Professor Dr. Manfred Funke wurde zu einer W2-Professur aufgewertet.


Herr Stefan Finger wird von den Akademischen Räten und den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erneut für die Dauer eines Jahres zum Vertreter des akademischen Mittelbaus im Seminarvorstand gewählt.


19. April 2005
Der Seminarvorstand beschließt, die Amtszeit des Geschäftsführenden Direktors, Professor Dr. Frank Decker, bis zum 1. Juli 2005 zu verlängern.


21. Juni 2005
Professor Dr. Tilman Mayer wird vom Seminarvorstand mit Wirkung vom 1. Juli 2005 zum Geschäftsführenden Direktor des Seminars für Politische Wissenschaft gewählt.


21. Juli 2005
Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft in der Lennéstraße 27 werden zum fünften Mal die Absolventen des auslaufenden Studienjahres im Rahmen eines Sommerfestes und im Beisein zahlreicher Gäste feierlich verabschiedet.


16. November 2005
Anlässlich des 80. Geburtstages von Professor Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Adolf Jacobsen veranstaltet das Seminar für Politische Wissenschaft einen Empfang und ein Abendessen mit zahlreichen geladenen Gästen im großen Saal der Mensa in der Nassestraße.


11. Januar 2006
Im kleinen Übungsraum des Seminars für Politische Wissenschaft wird die Fusion mit dem Seminar für Soziologie und damit die Gründung des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie im Beisein des Dekans der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Georg Rudinger, feierlich vollzogen.


1. April 2006
Dr. Stefan Finger und Dr. Karl-Heinz Saurwein werden von den Akademischen Räten und von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Dauer eines Jahres zu Vertretern des akademischen Mittelbaus im Institutsvorstand gewählt.


19. April 2006
Im Beisein des Dekans der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Georg Rudinger, und des Prodekans für Strukturangelegenheiten, Professor Dr. Uwe Baumann, findet die konstituierende Sitzung des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie statt. Zum ersten Geschäftsführenden Direktor des gemeinsamen Instituts wird Professor Dr. Tilman Mayer gewählt, zum stellvertretenden Geschäftsführenden Direktor Professor Dr. Werner Gephart. Geschäftsführer bleibt nach wie vor Priv.-Doz. Dr. Volker Kronenberg.


6. Juli 2006

Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft in der Lennéstraße 27 werden zum sechsten Mal die Absolventen des auslaufenden Studienjahres im Rahmen eines Sommerfestes und im Beisein zahlreicher Gäste feierlich verabschiedet.


1. Oktober 2006
Mit Beginn des Wintersemesters 2006/07 wird der neue Bachelor-Studiengang des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie mit der Bezeichnung "Politik und Gesellschaft" aufgenommen. Eine Einschreibung in den Magisterstudiengang "Politische Wissenschaft" oder den Magisterstudiengang "Soziologie" ist seither nicht mehr möglich.


1. April 2007
Dr. Stefan Finger und Dr. Karl-Heinz Saurwein werden von den Akademischen Räten und von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erneut für die Dauer eines Jahres zu Vertretern des akademischen Mittelbaus im Institutsvorstand gewählt.


10. April 2007
Professor Dr. Wolfram Hilz wird vom Institutsvorstand für die Dauer eines Jahres zum Geschäftsführenden Direktor gewählt, Professor Dr. Jörg Blasius zum stellvertretenden Geschäftsführenden Direktor.


12. Juli 2007
Im Garten des Seminars für Politische Wissenschaft in der Lennéstraße 27 werden zum siebten Mal die Absolventen des auslaufenden Studienjahres im Rahmen eines Sommerfestes und im Beisein zahlreicher Gäste feierlich verabschiedet.


6. Februar 2008
Anlässlich der bevorstehenden Pensionierung von Professor Dr. Christian Hacke arrangiert das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie im Universitäts-Club e.V. im Beisein des Rektors der Universität, Professor Dr. Matthias Winiger, des Dekans der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Jürgen Fohrmann, und zahlreichen weiteren geladenen Gästen eine Verabschiedungsfeier Im Rahmen der Veranstaltung wird Professor Hacke die Festschrift "Außenpolitik und Staatsräson. Festschrift für Christian Hacke zum 65. Geburtstag" (herausgegeben von Priv.-Doz. Dr. Volker Kronenberg, Dr. Patrick Keller und Jana Puglierin M.A.) überreicht.


25. Februar 2008
Professor Dr. Tilman Mayer wird vom Institutsvorstand mit Wirkung vom 1. April 2008 für die Dauer eines Jahres zum Geschäftsführenden Direktor gewählt, Professor Dr. Jörg Blasius zum stellvertretenden Geschäftsführenden Direktor.


31. März 2008
Professor Dr. Christian Hacke scheidet nach acht Dienstjahren am Seminar für Politische Wissenschaft resp. Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie aus dem aktiven Dienst aus.


1. April 2008
Dr. Stefan Finger und Dr. Karl-Heinz Saurwein werden von den Akademischen Räten und von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erneut für die Dauer eines Jahres zu Vertretern des akademischen Mittelbaus im Institutsvorstand gewählt.


Geschichte des Seminars für Soziologie

Das Seminar für Soziologie ist erst im Jahre 1974 gegründet worden. Jedoch ist Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität immer präsent gewesen:

In dem für die Geschichte der Kulturwissenschaften besonders markant erscheinenden Jahr 1893 hält in Bonn etwa Gothein im WS 1893/94 eine Vorlesung zur Geschichte der sozialen Frage im 19. Jahrhundert; eine Fülle sozialwissenschaftlicher Themen schließt sich an, bis Gothein nach Heidelberg berufen wird, wo er alles andere als im Schatten Max Webers, Ernst Troeltschs oder Georg Jellineks verkümmerte.

Aber die Orte des soziologischen Interesses sind zuerst die Staats- und Cameralwissenschaften. Demgegenüber können wir seit 1909/10 einen Wechsel der sozialwissenschaftlichen Lehrangebote in die Philosophie beobachten, in der z. B. Comtes Soziologie (WS 1909/10), das moderne Kulturproblem oder auch "Soziologie", jeweils von Hammacher, angeboten werden. Schließlich sorgt Verweyen bis in die 30er Jahre für ein regelmäßiges Angebot zur Soziologie der Religion (SS 1921) oder zur Soziologie und Ethik der Geschlechter (WS 1923/24), eine Veranstaltungsreihe, die bis 1932 fortgeführt wird.

Mit Schumpeter nimmt die Gesellschaftslehre seit 1926 - und nun an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät verortet - einen enormen Aufschwung, wie überhaupt zum Ende der Weimarer Republik das Potential des Faches Soziologie - wie an vielen anderen Universitäten - enorm expandiert, bis mit der Exilierung bedeutender Wissenschaftler "Soziologie" aus dem Lehrangebot deutscher Universitäten in der Tat verschwindet: keineswegs nämlich, so der derzeitige Forschungsstand, führte die Soziologie, wie in der heftigen Kontroverse um das Fach im Nationalsozialismus behauptet, eine Art "Nischenexistenz".

Wie Max Weber beinahe die Soziologie nach Bonn gebracht hätte

Max Weber hatte - was nur wenig bekannt ist und noch nicht im Detail recherchiert wurde - im Jahre 1919 mit der Bonner Universität in Verbindung gestanden, um nach Jahren akademischer Abstinenz wieder eine Aufgabe in Forschung und Lehre zu übernehmen. Es gibt also den direkten Bezug Webers zur Bonner Universität, und wer die Analyse hypothetischer Kausalverläufe mag, darf darüber spekulieren, inwieweit Weber der Soziologie in Bonn eine anderes Gesicht gegeben hätte. Freilich war Weber als intendierter Nachfolger Bergbohms mit der Juristischen und nicht der Philosophischen Fakultät in Verbindung. So berichtet Weber in einem Schreiben an Carl Heinrich Becker vom 6. Februar 1919 von seiner Anfrage bei dem Dekan der Juristischen Fakultät über die "eventuell [...] von mir zu gewärtigende Art der besonderen Behandlung der Staats- und Rechts-Soziologie innerhalb der juristischen Fakultät." Und am 9. Februar fragt Weber nach, was denn "aus Bergbohm\'s Kollegien" werde, um hinzuzufügen: "Ich bin doch kein Staatsrechtslehrer".

Schließlich entscheid sich Weber gegen Bonn und für München, da dort seinem Wunsch entsprochen wurde: der Ruf von dort ging an Weber als "Soziologen"! Übrigens dürfte sich Weber wohl auch deshalb genötigt gefühlt haben, das Münchner Angebot anzunehmen, da er selbst die Gefahr, dort könne aus politischen Gründen ein "blutiger Dilettant" auf einen "exponierten Posten" berufen werden, beschworen hatte: Schließlich führt er im Schreiben vom 25. März 1919 an Becker - für uns dann doch tröstlich - aus: "Sonst wäre in jeder Hinsicht die Bonner Stelle das für mich allein Erstrebenswerte gewesen, und auch dort hätte ich nützlich sein können."

Der entsprechende Absagebrief Webers an den Dekan ist leider - soweit bisher zu sehen - verschollen. Dafür ist in den Akten der Juristischen Fakultät ein Telegramm des Kultusministers an den Universitätssenator Prof. Zitelmann erhalten: "nach Professors Max Weber volle fakultaet telegraphisch vorschlaege ersatz bergbahn einreichen = Kultusminister."

Diese Begebenheit ist symptomatisch für den Standort der Soziologie zwischen Jurisprudenz, Ökonomie sowie den von Weber gerade immer wieder aufgegriffenen und auch von ihm inspirierten kulturwissenschaftlichen Fächern.

Dabei hatte der Aufschwung der Soziologie in Bonn auch über die Grenzen der Fakultäten hinweg mit einer "philosophisch-soziologischen Arbeitsgemeinschaft" einen vielversprechenden Stand erreicht: An ihr nahmen neben Joseph Schumpeter, Ernst Robert Curtius und Erich Rothacker teil, eine Arbeitsgemeinschaft, die in unterschiedlichen Besetzungen bis 1933 Bestand hatte.

Nachdem das Fach Soziologie aus der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät (Lehrstuhl Prof. Dr. G. Eisermann) ausschied und in die Philosophische Fakultät wechselte, übernahm Prof. Dr. Martinus Emge die Leitung des Seminars an der Adenauerallee. In dieser Aufbauphase bildete sich insbesondere auch durch die Tätigkeit von Prof. Dr. Justin Stagl ein Kultursoziologischer Forschungsschwerpunkt heraus, in dem die Reiseforschung und die Vielfalt der gerade in Bonn anschlußfähigen kulturbezogenen Forschungen im Vordergrund standen. In dieser Aufbauphase wirkte auch Prof. Dr. A. Bellebaum im Bereich der Allgemeinen Soziologie entscheidend mit, während Prof. Dr. K. Mayer sich der methodischen Ausbildung annahm und späterhin die Europaforschung zu einem Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit machte. Prof. Dr. Emge war aus seiner Heidelberger Studienzeit mit den Größen der deutschen Kultursoziologie - unter anderem mit Alfred Weber - persönlich bekannt und bereicherte das Forschungs- und Lehrangebot des Seminars mit seinen Forschungen zu den Anfängen des Faches Soziologie, die für ihn in Frankreich liegen (vergleiche insbesondere Prof. Emges wegweisende Studie über St. Simon), um den disziplinhistorischen Themenschwerpunkt. In der Lehrstuhlnachfolge brachte Prof. Dr. Dr. hc. Fürstenberg vor allem seine internationalen Erfahrungen in der Industriesoziologie, Berufssoziologie und soziologischen Erforschung des modernen Japans in das Seminar ein. Prof. Dr. Gephart führte als Nachfolger von Prof. Dr. Stagl den kultursoziologischen Schwerpunkt am Seminar fort. Mit der Edition der sogenannten "Rechtssoziologie" Max Webers, die von Prof. Gephart am Seminar betreut wird, wurde für die Bonner Soziologie die Auseinandersetzung mit dem Werk Max Webers in theoretischer Diskussion und der Anwendung auf Gegenwartsfragen bedeutsam. In der Nachfolge von Prof. Dr. Dr. hc. Fürstenberg erhielt das Seminar mit Prof. Dr. E. Weedes Arbeiten einen weiteren Forschungsschwerpunkt: dessen vergleichende Analysen moderner Gesellschaften zielen auf eine Verknüpfung von Methoden empirischer Sozialforschung und makroanalytischen Fragestellungen.

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