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Trauerbegleitung am Arbeitsplatz

 "Trauerbegleitung am Arbeitsplatz"

Erster Durchgang der insgesamt zweisemestrigen Zusatzqualifikation

 

  

 Interdisziplinärer Kompetenzerwerb

 
Das „Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie“ unter Leitung von Prof. Dr. Clemens Albrecht und das „Bonner evangelische Institut für berufsorientierte Religionspädagogik“, damals noch unter Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer-Blanck, kreierten für die Fächer „Soziologie“ und „Evangelische Theologie“ auf einander bezogene Curricula, um interdisziplinär Kompetenzen zum professionellen Umgang mit Erfahrungen von Sterben, Tod und Trauer in der Arbeitswelt zu vermitteln. Das Projekt wird von der „Stiftung Deutsche Bestattungskultur“ finanziell gefördert und hat das Branding der „Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland“.[1]

 

Bundesweit erstmalig hatten Studierende an der Universität Bonn ab dem Wintersemester 2019/20 die Möglichkeit, im Rahmen des Masterstudiums die zertifizierte Zusatzqualifikation „Trauerbegleitung am Arbeitsplatz“ zu erwerben. Außerdem erhielten die Studierenden die Möglichkeit, sich kostengfrei als Trauerbegleitende über den Bundesverband Trauerbegleitung e.V. (BVT) zu qualifizieren.

Modul 1 "Trauerbegleitung in Organisationen"

Seminarleitung: Dr. Ursula Engelfried-Rave
 
Der Studiengang begann im Wintersemester mit zwei Seminaren im Themengebiet der Soziologie, zum einen das Seminar „Thanatosoziologie“ und zum anderen das Seminar „Praxis der Trauerbegleitung“. Gegenstand der Thanatosoziologie waren die Einordnung von Grundbegriffen wie soziales Sterben, Mortalität und Gesellschaft, die Darstellung der Sozialgeschichte des Todes, rechtliche Aspekte von Sterben, Tod und Bestattung, Hospizbewegung, Euthanasie, Sterbehilfe und Suizid. Im Seminar Praxis der Trauerbegleitung lernten die Studierenden Beispiele unterschiedlicher Organisationskulturen und –typen und die dortige Umsetzung von Trauerbegleitung kennen. Des Weiteren wurden die Studierenden in verschiedene Trauertheorien, Trauerprozesse und -reaktionen sowie Trauer- und Bestattungsrituale eingeführt. Das Seminar wird mit einem Portfolio, das als Prüfungsleistung gilt, abgeschlossen. Referierende waren außerdem: Dipl. Kauffrau Barbara Koch, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Koblenz, sie stellte die Umsetzung von Trauerbegleitung am Arbeitsplatz in der Handwerkskammer Koblenz vor; Patrick Nehls, Medienwissenschaftler an der Universität Bonn, gab Einblick in sein Forschungsgebiet Tod und Trauer im digitalen Zeitalter, Eva Kersting-Rader berichtete über ihr professionelles und ehrenamtliches Engagement im Bereich der Trauerbegleitung.

Modul 2

Seminarleitung: Dr. Monika Marose
 

Nachdem Studentinnen und Studenten im WS 2019/20 zunächst Kenntnisse über Thanatologie und Strukturen von Organisationen erworben hatten, arbeiteten sie im Anschluss während des SoSe 2020 zu Themen einer religionssensiblen Begegnung mit Trauernden am Arbeitsplatz. Die Studierenden reflektierten anthropologische und christologische Fragestellungen, Fragen der Theodizee, Formen des Gedenkens, Rituale und Hoffnungsbilder, sie befassten sich außerdem mit Spiritualität und Seelsorge angesichts von kultureller und religiöser Diversität. Als Referierende konnten gewonnen werden: Natalia Verzhbovska, Rabbinerin NRW, Naciye Kamcili-Yildiz, Religionspädagogin von der Universität Paderborn und Bhante Batuwangala Samiddhi, buddhistischer Theravad-Mönch vom Buddistischen Meditationszentrum, Bonn. Einblick in seine Arbeit bot außerdem der Pfarrer und Notfallseelsorger Martin Autschbach. Anhand von Fallbeispielen veranschaulichte Autschbach spezifische Erfordernisse im Umgang mit Trauerfällen in der Arbeitswelt. Auf besonderen Wunsch der Studierenden wurde auch das Thema Suizid bearbeitet. Nicole Nolden, Dozentin und Projektleiterin vom Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln, erörterte die Thematik unter dem Gesichtspunkt der Bedingungen in der Arbeitswelt.

Ab dem SoSe 2021 wird der Kompetenzerwerb überdies durch eine Kooperation mit Marcell Feldberg von der Forschungsstelle Sepulkralmusik der Robert-Schumann Hochschule Düsseldorf bereichert.

Praktika

Im Rahmen des theologischen Moduls absolvierten Studierende außerdem Praktika in Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen, die Menschen im Umgang mit Erfahrungen von Sterben, Tod und Trauer entweder professionell unterstützen oder aber Strukturen der Begleitung bereits in den Arbeitsalltag implementiert haben. Die Pandemie erschwerte zwar die Durchführung der Praktika, einige Studenten hatten diese jedoch entweder bereits zuvor abgeleistet oder konnten sich auch mit Hilfe digitaler Medien einbringen. So unterstützte ein Student über drei Monate die Implementierung einer Trauerkultur bei einer großen privaten Krankenversicherung. Andere arbeiteten oder werden noch arbeiten u.a. in lokalen Hospizen, in konfessionellen Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege, in Kirchengemeinden, bei der Handwerkskammer Koblenz, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V., dem Unternehmen Pütz-Roth, der Stiftung Deutsche Bestattungskultur und auch an der Universität Bonn, um hier künftig eine Anlaufstelle für Studierende in existentiellen Notsituationen zu schaffen.

Zusatzangebot (fakulativ): Qualifizierung in Trauerbegleitung nach den Standards des Bundesverbandes Treuerbegleitung e.V. (BVT)

Seminarleitung: Eva Kersting-Rader, Trauerbegleiterin (BVT), Kunsttherapeutin und Bestatterin
 

Seit Februar 2020 besteht für die Studierenden ein zusätzliches, freiwilliges Angebot in welchem sie eine Qualifizierung in Trauerbegleitung absolvieren können. Lerninhalte sind Selbstwahrnehmung und die Reflexion der eigenen Sterblichkeit, der eigenen Trauer und der eigenen Belastbarkeit, Gesprächsführung mit Trauernden, Methoden der Trauerbegleitung, Selbstverständnis der Rolle als Trauerbegleiter/in. Zusätzlich erhalten die Studierenden Einblick in verschiedene Formen der Supervision. Während der Qualifizierung absolvieren die Studierenden 20 Trauergespräche, die auf zwei Klienten und jeweils 10 Gesprächstermine aufgeteilt sind. Die Qualifizierung rundet eine Hausarbeit zur Thematik ab.

 

Festakt zur Zertifikats-Ausgabe

Die Ausgabe der Zertifikate wird im Rahmen eines Festakts im Beisein der Förderer und Partnerinnen und Partner aus Institutionen, Organisationen und Unternehmen am Donnerstag, den 18.02.2021, erfolgen. Ob die Veranstaltung analog, digital oder „hybrid“ stattfindet, wird noch mitgeteilt.
 

Anmeldungen für das WS 2020/21

Interessierte Studierende des Masters Soziologie und des Masters Evangelische Theologie sind eingeladen, sich für das WS 2020/21 am „Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie“ für Modul I „Trauerbegleitung in Organisationen“ anzumelden. Die Anmeldung für Modul II „Religionssensible Trauerbegleitung am Arbeitsplatz“ im SoSe 2021 erfolgt über die Evangelisch-Theologische Fakultät. Wer sich außerdem als Trauerbegleitende qualifizieren möchte, möge sich bitte frühzeitig melden, da hier nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung steht.
 
 
 

Studentischer Kommentar zum Wahlpflichtfach „Trauerbegleitung am Arbeitsplatz“

Autorin: Katharina Oden
 
Ich habe dieses Projekt im ersten Semester gewählt, weil ich auf ein praxisorientiertes Seminar gehofft habe, was mir auch im Alltag Sicherheit bei Trauerfällen gibt. Dieses Seminar bot zudem viele theoretische Grundlagen zur Thematik Sterben, Tod und Trauer und ich fand es besonders interessant, diese sensiblen Themen nicht nur aus persönlicher, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten. Dies hat mir geholfen, die Thanatologie und ihre angrenzenden Gebiete aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und meine eigene Einstellung dazu genauer zu reflektieren. Die Gastvorträge waren sehr aufschlussreich und boten einen tollen Einblick in die Berufsfelder, die sich direkt oder indirekt mit Trauer am Arbeitsplatz beschäftigen. Die Arbeit mit diversen Theorien und ihren Hintergründen ermöglichte es dabei, einen emotionalen Abstand zu wahren. Die sonst als Studienleistungen beliebten Referate wurden durch ein Essay ersetzt, was für mich persönlich eher dazu führte, mich mit der Thematik weiter zu beschäftigen und einen wissenschaftlichen Blick auf sensible Themen zu üben.
Der Kurs lebte vom offenen Umgang mit der Dozentin und den Kursmitgliedern untereinander. Diese Mischung aus wissenschaftlicher Distanz und der persönlichen Wahrnehmung machte dieses Seminar zu einem besonders intensiven und lehrreichen Kurs. Die besondere Atmosphäre im Kurs war stets wertschätzend und hat zu einem sehr gemeinschaftlichen Miteinander geführt. Durch das Teilen von Erfahrungen wurde auch deutlich, dass viele die gleichen Fragen beschäftigen, was das Gruppengefühl bzw. das Gefühl, mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht alleine zu sein, stärkte. Ich habe es selten erlebt, dass selbst in kleinen Kursen innerhalb eines Semesters solch eine Gemeinschaft entsteht, in der jeder, der sich dabei wohl fühlt, seine innersten Gedanken und Gefühle teilen konnte. Sich abseits von reinem Faktenwissen Gedanken über existenzielle Erfahrungen des Lebens zu machen und diese teilen zu können, hat denke ich zu einer persönlichen und kursinternen Entwicklung beigetragen, von der ich noch über dieses Seminar hinaus profitieren werde. Ich finde es zudem sehr gut und weiterbringend, dass die beiden Module aufeinander aufbauen und es sogar zusätzlich die Möglichkeit gibt, während des Studiums die Zusatzqualifikation über den Bundesverband Trauerbegleitung zu absolvieren.
Katharina Oden
 
Katharina Oden ist Studentin der Soziologie im zweiten Fachsemester
 

 

 

Ansprechpartnerinnen

Frau Dr. Ursula Engelfried-Rave vom „Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie“:
Tel. 0261/309339
und
Frau Dr. Monika Marose vom „Evangelischen Institut für berufsorientierte Religionspädagogik“:
Tel. 0228-735423
Weitere Informationen unter:
 
 
 

[1] Die Koordinierungsstelle ist Bestandteil des Charta-Prozesses: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V., Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V., Bundesärztekammer (Hrsg) (2016). Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Verfügbar unter: https://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/Char- ta-08-09-2010%20Erste%20Auflage.pdf [Zugriff 19.08.19].
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